Freundeskreis
Museum Kurhaus &
Koekkoek-Haus Kleve e.V.


Nachruf: Wolfram de Werd (1941–2022)

Im August 2022 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit Wolfram de Werd, dem der Freundeskreis hiermit in großer Verbundenheit erinnern und für seine langjährige, stets im Stillen ausgeführte Tätigkeit danken möchte. Wolfram de Werd war der ältere Bruder des langjährigen Klever Museumsdirektors Guido de Werd. Hinter den Kulissen übersetzte Wolfram de Werd als Germanist jahrzehntelang ehrenamtlich alle Museumstexte in das Niederländische und sorgte damit für eine kontinuierliche und nachhaltige Wahrnehmbarkeit beider Klever Museen in den Niederlanden. Wolfram de Werd trat nie gerne öffentlich in Erscheinung. Seine Welt war die Sprache im gedruckten Wort und so galt seine Leidenschaft der deutschen Literatur.

1941 in Oss in der Provinz Noord-Brabant geboren, prägten ihn die kargen Nachkriegsjahre in den Niederlanden. Seinen für einen Niederländer ungewöhnlichen Vornamen erhielt er nach dem deutschen Dichter des Mittelalters, Wolfram von Eschenbach. Seine spätere Passion scheint ihm somit womöglich bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. Nach seinem Abitur 1960 studierte Wolfram de Werd Germanistik in Nijmegen und Saarbrücken. In Nijmegen und Arnhem, an der Hogeschool Gelderland und der Radboud Universität, unterrichtete er Generationen von Studierenden die deutsche Sprache und Literatur. Er unternahm zahlreiche Bildungsreisen nach Deutschland, unterhielt in den Jahren vor der Wende eine Partnerschaft mit der Universität Zwickau in der ehemaligen DDR und pflegte zeitlebens Kontakte zum Goethe Institut, u.a. in Amsterdam. Nie war Wolfram de Werd ohne Tageszeitung oder Buch anzutreffen, stets kamen die besten Tipps für weiterführende Literatur von ihm. In seinem denkmalgeschützten Patrizierhaus am Lagemarkt in Nijmegen, einem imposanten Gebäude des 16. Jahrhunderts (in dem Petrus Canisius 1521 geboren wurde), das er ab 1988 als direkter Nachbar des Kunsthistorikers und Museumsleiters Gerard Lemmens (1938–2021) bewohnte, hatte er sich ein Lesezimmer mit Bibliothek neben Werken zeitgenössischer Kunst, u.a. von Katharina Fritsch, Fischli/Weiss, Andy Warhol und Ulrich Erben, eingerichtet, die von seinem sachlichen Charakter und erlesenen Geschmack zeugten. 

Von 1974 bis 1991 übersetzte Wolfram de Werd die Texte des Beuys-Sammlers Hans van der Grinten (1929–2002) in das Niederländische, als dieser bei Gerard Lemmens Kurator am Museum Commanderie van St. Jan in Nijmegen war. 1997 konnte ihn sein Bruder Guido de Werd dafür gewinnen, diese Tätigkeit für die beiden Klever Museen – das Museum Kurhaus Kleve als auch das Museum B.C. Koekkoek-Haus – ehrenamtlich fortzuführen. Mehrere Jahrzehnte, bis 2013, übersetzte er in engem Austausch mit dem Klever Museumsteam (vor allem mit Roland Mönig und Valentina Vlašić) sämtliche Museumstexte in das Niederländische, egal, ob es sich dabei um pädagogisches Programm für die Museumswebsite handelte oder um komplexe Ankündigungen kommender Ausstellungen, die von den Feuilletons wichtiger niederländischer Zeitungen nahtlos übernommen werden konnten. Damit sorgte Wolfram de Werd für eine nachhaltige Präsenz der beiden Klever Museen in den Niederlanden, deren Bedeutung nicht hoch genug angesetzt werden kann. Er war, wie es Roland Mönig anlässlich seines Todes formulierte, „jahrzehntelang die Stimmgabel des Museum Kurhaus Kleve in den Niederlanden“. Als Guido de Werd 2012 in Rente ging, schied auch sein Bruder allmählich aus. Der Freundeskreis gedenkt ihm in Ehren.

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Wolfram de Werd im Museum Kurhaus Kleve, 2010 (Photo A. Gossens)
Das Lesezimmer von Wolfram de Werd in seinem Haus in Nijmegen
Valentina Vlašić, Wolfram de Werd und Klaus Hommel im Museum Kurhaus Kleve, 2011 (Photo A. Gossens)
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