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Winterlesungen 2026 Lost Paradise

 

Die Rede vom Verlorenen Paradies ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Offenbar gab und gibt es in allen Zivilisationen ein ausgeprägtes Bewusstsein für aktuelle Verlusterfahrungen, dem eine Sehnsucht nach früheren und glücklicheren Goldenen Zeitaltern entspricht. Dass es sich dabei um wohlfeile Projektionen der Vergangenheit (und im Falle von Science Fiction auch der Zukunft) handelt, ist den Betroffenen zumeist klar. Gleichwohl gerät der damit verbundene Abgleich der Differenzen oft genug zu einer klärenden Bestandsaufnahme der eigenen Gegenwart, deren Konturen im Spiegel des Wünschbaren deutlicher zutage treten. Diesem Unterfangen widmet sich in einem weitgefassten Spektrum die Reihe der Winterlesungen im MKK im Januar und Februar 2026. Die fünf Vortragenden werden dabei in bewährt individueller Weise anhand der von ihnen ausgewählten Texte literarische Weltentwürfe vorstellen, die dem Erinnerungsgewebe ganz unterschiedlicher Zeiten entstammen und deren Echoräume doch im Hier und Jetzt widerhallen.

Zur ersten Lesung wird am Freitag eingeladen, die weiteren Lesungenfinden jeweils am Donnerstag um 19.00 Uhr im Museum Kurhaus Kleve statt, der Eintritt beträgt 5 EUR (reduziert und für Mitglieder des Freundeskreises 3 EUR).

 

Freitag, 09.01.2026 19.00h

John Milton (1608-1674): „Paradise Lost“ (Das verlorene Paradies)

(Harald Kunde)


Die erste Winterlesung am 9. Januar 2026, beginnt um 19 Uhr mit Museumsdirektor Harald Kunde, der aus John Miltons Verlorenem Paradies liest: Der englische Dichter und Politiker John Milton hat mit seinem wirkmächtigen Versepos Mitte des 17. Jahrhunderts in 12 Büchern eine Neufassung des (christlichen) Schöpfungsberichts in seiner Dualität von göttlichen und satanischen Wirkkräften geschaffen, das bis heute fasziniert und vielfache Adaptionen erfahren hat. Indem insbesondere Adam und Eva sowie ihr unausweichlicher Sündenfall als menschheitliche Symbole des Erkenntnisgewinns und der daraus folgenden Existenz im Irdischen verstanden werden, transformiert Milton den alttestamentarischen Stoff in die Grundsatzdispute seiner eigenen Epoche zwischen royalistischer und republikanischer Ausrichtung.

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Donnerstag 15. Januar 19.00h

Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002): "Kindheit in Ostpreußen"/ "Namen, die keiner mehr nennt"

(Ludger Kazmiercak)

 

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Donnerstag 22. Januar 19.00h

Abdulrazak Gurnah (*1948) /Gökcen Kaplan: Das verlorene Paradies: Eine Reise zurück an den Anfang (Haben wir uns nur vom Paradies entfernt oder ging es doch verloren?)

(Oliver Locker-Grütjen)

 

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Donnerstag 29. Januar 19.00h

Inger Christensen (1935-2009): Alphabet

(Hubert Wanders)

 

Das „Langgedicht“ Alphabet zählt zu den bedeutendsten Werken der dänischen Literatur, das 1981 entstand, als sich die ökologische Bewegung in Parteien formierte.
Über eine Struktur, die sich nach den Buchstaben des Alphabets richtet und mathematischen Konstruktionsprinzipien folgt, entfaltet Inger Christensen Wort-Klänge und eine präzise wuchernde Bildlichkeit: Diese feiern die Schönheit der Natur, zeigen die Gefährdungen des Lebens auf und spiegeln die Suche nach Ordnung im Chaos wider. Sprache und Welt scheinen sich zu vereinen. „Wenn ich Gedichte schreibe“, so Inger Christensen, „dann kann es mir einfallen, so zu tun, als schriebe nicht ich, sondern die Sprache selber. Ich tue so, als hätten die Sprache und die Welt ihre eigenen Verbindungen. Als hätten die Wörter, um mich herum, direkte Berührung mit den Phänomenen, auf die sie verweisen.“ Christensen öffnet so einen poetischen Raum, in dem Sprache und Welt in immer neue Beziehungen treten – ein „verlorenes Paradies“, das in jedem Wort wiederentdeckt werden kann. 



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Donnerstag 05. 02.2026 19.00h

Uwe Wittstock (*1955): Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur

(Anne-Katrin Kunde):
 

 

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